Kreditmarkt: Noch mehr Fonds am Start

Institutionelle Anleger können am privaten Kreditmarkt inzwischen in ein großes Spektrum an Zielfonds investieren. Nach Angaben des Datenspezialisten Preqin („Preqin Quarterly Update: Private Debt, Q2 2021“) warben 651 Private-Debt-Fonds am Ende des zweiten Quartals 2021 um Kapital. Damit hat sich die Zahl der Fonds in diesem Segment gegenüber Januar 2017 mehr als verdoppelt.

Aktuell wollen die privaten Kreditgeber bis zu 295 Milliarden US-Dollar einsammeln. Zum Vergleich: Anfang 2017 lag die Zielmarke bei 130 Milliarden US-Dollar. Dieser Anstieg wird laut Preqin durch die fortgesetzte Mittelbeschaffung sogenannter Direktkreditfonds (Direct-Lending-Fonds) getrieben. Sie dominieren den Markt – gemessen an der Anzahl der Fonds – mit einem Anteil 53 Prozent. Und auch beim Kapital der individuellen Private-Debt-Strategien liegen sie mit einem Anteil von 56 Prozent vor allen anderen.

Anleger bevorzugen Direct-Lending-Fonds

Wie die folgende Abbildung zeigt, ist das Interesse der Investoren an Direct-Lending-Fonds binnen Jahresfrist deutlich gestiegen. Weitere bei Investoren sehr gefragte Strategien am privaten Kreditmarkt betreffen die Segmente „Distressed Debt“, „Mezzanine“ und Special Situations“.

Abbildung 1: Private Debt Fundraising im zweiten Quartal 2021 nach Fondstypen

Marktteilnehmer, die erstrangig besicherte Kredite oder auch Nachrangdarlehen vergeben, streben relativ sichere und prognostizierbare Renditen an. Am anderen Ende der Risikoskala wollen Distressed-Debt-Geldgeber die maximal mögliche Rendite erzielen.

Nach Einschätzung von Sam Monfared, Branchenexperte bei Preqin, ist die Anlageklasse Private Debt „zunehmend wettbewerbsfähig“. Private-Debt-Fonds brächten „weiterhin attraktive Renditen für Portfolios“. Jede ernsthafte Notlage durch die Pandemie scheine zu diesem Zeitpunkt mit Hilfe der Zentralbanken im Rückspiegel zu sein, so Monfared.

Private Kreditvergabe wird populärer

Das Interesse an der mittelbaren Kreditvergabe über Private-Debt-Fonds hat sich in jüngster Zeit noch einmal beschleunigt. Insgesamt warben private Kreditfonds im zweiten Quartal 2021 rund 43 Milliarden US-Dollar ein, nach 36 Milliarden US-Dollar im Auftaktquartal.

Die Nase vorn hatten zuletzt auf Europa ausgerichtete Kreditfonds: Im zweiten Quartal flossen ihnen insgesamt 22 Milliarden US-Dollar an frischen Mitteln zu – viermal mehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch im globalen Vergleich scheint Europa derzeit aus Sicht der Kreditgeber besonders interessant zu sein, liegt die Region bei der Kapitalaufnahme doch vor Nordamerika (19,5 Milliarden US-Dollar).

Zunehmend mehr Kapital liegt brach

Der Wettbewerb am privaten Kreditmarkt wird zunehmend härter. Laut Preqin sitzen die Fondsanbieter zusammen auf 364 Milliarden US-Dollar an nicht investiertem Kapital. Wie Abbildung 2 zeigt, entfällt ein Großteil des sogenannten „Dry Powder“ auf die Segmente Direct Lending und Distressed Debt. Und das Produktangebot nimmt zu, wie die aktuellen Zahlen belegen.

Ob es den Fondsmanagern gelingt, das ihnen anvertraute Kapital rentabel unterzubringen, bleibt abzuwarten. Preqin-Experte Monfared sagt, dass sowohl die Quantität als auch die Qualität der für Private-Debt-Fonds verfügbaren Deals einen erheblichen Einfluss auf die zukünftige Performance der Anlageklasse haben werden.

Abbildung 2: Private Debt: Assets under Management je nach Fondstyp

Kreditnehmer stammen typischerweise aus den Sektoren Infrastruktur (Infrastructure Debt), Immobilien (Real Estate Debt) oder auch aus der Luftfahrt (Aviation Debt). Mehr zum Thema Kreditvergabe institutioneller Investoren erfahren Sie im Interview mit Thomas Bayerl vom Vermögensmanager der Versicherungskonzerne Munich Re und Ergo, der MEAG. Als Head of Illiquid Assets Debt verantwortet er seit Dezember 2018 die Vergabe von Darlehen an Gesellschaften, die große Infrastrukturprojekte wie den Bau von Autobahnen vorantreiben. 

Autor: Tobias Bürger, Bund Institutioneller Investoren, bii. 

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