„Auch bei Wohnimmobilien brauchen wir weniger Bürokratie und mehr Innovationen“

Interview mit Thomas Wirtz, Geschäftsführer bei INDUSTRIA Immobilien GmbH

„Auch bei Wohnimmobilien brauchen wir weniger Bürokratie und mehr Innovationen“

Was reizt Sie besonders an Ihrer Rolle bei INDUSTRIA?
Wir wurden im Jahr 1954 gegründet und können somit auf eine lange Historie mit einer Fokussierung auf den Wohnimmobiliensektor zurückblicken, sodass wir in diesem Segment als absolute Spezialisten am Markt wahrgenommen werden. Derzeit verwalten wir für rund 80 institutionelle Investoren, die über Mehranleger bis hin zu Individualfonds investiert sind, sowie für Privatinvestoren in unserem 2015 aufgelegten Publikumsfonds rund 5,77 Milliarden Euro an Immobilienvermögen. Dabei kann ich auf ein tolles Team zurückgreifen. Unser Unternehmen ist trotz oder auch wegen der langen Geschichte mit den umfangreichen Erfahrungswerten sehr innovationsfreudig und kundenorientiert. Das entspricht zutiefst auch meinen persönlichen Überzeugungen.

Wie wollen Sie institutionelle Investoren in einem schwierigen Markt überzeugen?
Die meisten institutionellen Anleger haben verstanden, dass Investitionen in die Assetklasse Wohnimmobilien unbedingt zu einem ausgewogenen Portfolio gehören sollten. Unsere Investoren haben gerade in diesem Segment während der letzten drei sehr schwierigen Jahre gute Erfahrungen damit gemacht. Insofern ist unsere Investmentexpertise auf diesem Gebiet willkommen. Dennoch ist es wahr, dass nicht wenige Investoren in den letzten Jahren hohe Immobilienquoten aufgebaut haben und sich nun teils sehr zurückhaltend zeigen. Andererseits haben wir einen sehr guten Kundenstamm und sind durchaus erfolgreich. Nicht ganz ohne Stolz darf ich erwähnen, dass wir in den letzten beiden Jahren jeweils mit dem 1. Platz und damit einem Scope Award im Bereich “Bester Asset Manager Real Estate Residential Institutional” ausgezeichnet wurden.

Welche neuen Fondsangebote planen Sie speziell für institutionelle Anleger?
Zunächst wollen wir erfolgreiche Strategien fortführen und weiter in neu zu errichtende oder junge Wohnbestände investieren. Neuer ist bei uns eine intensive Beschäftigung mit dem Thema modulares und serielles Bauen. Hier hatten wir bereits Kontakt zu rund 40 Anbietern. Das ganze Themengebiet ist nicht trivial. Es gibt ganz unterschiedliche Konzepte, Fertigungsmethoden, Materialien und Anbieter. Den Vorteil beim seriellen Bauen sehen wir insbesondere in der Möglichkeit Baukosten zu reduzieren als auch bei der Schnelligkeit in der Fertigstellung für den dringend benötigten neuen Wohnraum. Für Anleger bedeutet das, attraktive Ertragschancen aufgrund der hohen Wohnnachfrage, die wir über modulares beziehungsweise serielles Bauen schneller bedienen könnten – ein klarer Marktvorteil. Aber wir sind noch in der Prüfungsphase und starten erst, wenn wir voll und ganz von dem Thema überzeugt sind.

Welche zusätzlichen Überlegungen gibt es für neue Fonds?
Ein weiteres Thema ist das Feld „Manage to Green“. In Deutschland gibt es eine enorme Zahl von Wohnimmobilien, die dringend eine Modernisierung hin zu einem höheren ESG-Standard benötigen, um langfristig fungibel zu bleiben. Hier sehen wir unsere Aufgabe darin, durchdachte und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln, die Anlegern geeignete Investmentoptionen bieten. Auch hier gibt es eine Vielzahl von Fragen, die im Vorfeld zu klären sind. Insofern können wir uns neben einem Fonds mit seriell gebauten Wohnimmobilien auch einen Fonds mit „Manage to Green“-Objekten vorstellen.

Setzen Sie im derzeitigen Marktumfeld eher auf Wachstum oder Konsolidierung?
Wir sind bereits in den letzten Jahren antizyklisch gewachsen, unter anderem durch die Übernahme von Beständen, die ehemals von der d.i.i. gemanagt wurden. Generisches Wachstum und die Übernahme von Mandantenbeständen haben eine zusätzliche Dynamik ausgelöst.

Wo sehen Sie INDUSTRIA in fünf Jahren im Wettbewerb positioniert?
Wir wollen auch in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Mit unserer Erfahrung und der guten Positionierung im Wettbewerb sollte uns das gelingen. Besonders vorteilhaft ist aus meiner Sicht, dass wir zu der kleinen, aber erfahrenen und leistungsstarken Gruppe von Fondsmanagern gehören, die tatsächlich die komplette Wertschöpfungskette rund um die Wohnimmobilie abbilden. Das bringt aus unserer Sicht zusätzliche Sicherheit und stabilere Cashflows für institutionelle Anleger.

Was wünschen Sie sich im aktuellen Marktumfeld?
Es gibt von der neuen Bundesregierung sehr positive Signale, wobei die Entwicklung natürlich abzuwarten bleibt. Dennoch, wenn wir für die Menschen in den Ballungszentren den dringend benötigten Wohnraum im bezahlbaren Segment schaffen wollen, dann brauchen wir unbedingt weniger Bürokratie und mehr Innovation. Denn der Wohnbau ist über die letzten Jahrzehnte immer aufwendiger und damit auch teurer geworden. Deshalb plädieren wir dafür, den Fokus wieder stärker auf die Bezahlbarkeit von Neubauwohnungen zu richten. Natürlich brauchen wir dabei auch ESG-Standards, aber müssen es immer die höchsten der Welt sein?

Was motiviert Sie persönlich, auch über den Job hinaus?
Bewegung ist für mich ein wichtiger Ausgleich, gerade weil ich viel Zeit im Büro verbringe. Ich spiele gerne Tennis, bin viel draußen unterwegs und unser Familienhund hält mich ebenfalls reichlich auf Trab. Dabei ist der Effekt in der Summe nicht nur Sport, sondern auch Entspannung in der Natur und der freie Blick auf die Dinge.

 

 

Über Thomas Wirtz
Thomas Wirtz FRICS ist seit über 30 Jahren in der Immobilienwirtschaft tätig. Seit Januar 2023 ist er Geschäftsführer der INDUSTRIA und verantwortet den Vertrieb an institutionelle und an private Investoren sowie den Bereich Fund Management und Marketing. Vor der Industria arbeitete er acht Jahre für einen Fondsanbieter, der von Union Investment übernommen wurde. Dort war er als Vorstand und Geschäftsführer in verschiedenen Konzerngesellschaften tätig.