Interview mit Verena Kempe, Leiterin des Investment Management beim KENFO Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung
„Unsere Arbeit ist eine Generationenaufgabe“
Welchen Auftrag hat der KENFO?
Der KENFO wurde 2017 durch Bundesgesetz errichtet und hat den Auftrag, die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung der nuklearen Abfälle in Deutschland über die nächsten 80 Jahre sicherzustellen. Die Energieversorger haben hierzu ein Stiftungskapital von rund 24 Milliarden Euro in den KENFO eingezahlt. Demgegenüber ist die Verantwortung zur Finanzierung des Rückbaus der kerntechnischen Anlagen bei den Energieversorgern verblieben. Mit einer anfänglichen Zielrendite von durchschnittlich 3,7 Prozent p.a. sollen das Kapital und seine Erträge bis zum Ende der geplanten Stiftungsdauer alle anfallenden kerntechnischen Entsorgungskosten decken. Aktuell verwalten wir rund 25 Milliarden Euro, wobei wir bereits rd. 4,5 Milliarden Euro für das Stiftungsziel ausgezahlt haben.
Wie sieht die aktuelle Asset-Allokation des KENFO aus?
Derzeit haben wir in Aktien und Anleihen jeweils rund 40 Prozent investiert, in Alternatives (i.e. nicht-börsennotierte Anlagen) inklusive Immobilien rund 15 Prozent und in liquide Mittel die restlichen 5 Prozent. Die Anlagen in Alternatives befinden sich weiter im Aufbau, der 2028 abgeschlossen werden soll. Unsere Ziel-Allokation liegt bei 30 Prozent in Aktien, 40 Prozent in Anleihen, 29 Prozent in Alternatives und 1 Prozent Liquidität.
Welche gesetzlichen Vorgaben prägen Ihre Anlageentscheidungen?
Die für den KENFO erlassenen Anlagerichtlinien setzen den regulatorischen Rahmen für die Anlagetätigkeit. Sie lehnen sich an Vorgaben des Versicherungsaufsichtsgesetzes und der Pensionsanlageverordnung an und sehen die Integration von ESG-Kriterien vor. Zugleich berücksichtigen unsere Anlagerichtlinien die Besonderheiten des Stiftungsauftrages mit einer vorgegebenen Finanzierungsdauer von 80 Jahren, jährlichen Auszahlungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und keinen laufenden Einzahlungen.
Wie balancieren Sie liquide und illiquide Anlagen?
Insgesamt setzten wir unsere Strategische Asset Allocation unter Berücksichtigung gewisser Schwankungsbreiten um – zum Beispiel um Marktschwankungen in gewissen Grenzen zuzulassen, ohne ein Rebalancing durchführen zu müssen. In der aktuellen Aufbauphase sind zu hohe illiquide Anlagen grundsätzlich noch kein Problem. Wenn wir 2028 unsere Ziel-Allokation erreichen, werden wir über einen mittelfristigen Horizont Abrufe und Ausschüttungen aus dem Illiquiden Portfolio über Investitionspläne steuern.
In welche Branchen oder Segmente investieren Sie bewusst nicht?
Aufgrund unseres Auftrags investieren wir beispielsweise nicht in neue Nuklearanlagen oder fossile Energieträger wie Kohle. Grundsätzlich haben wir das Portfolio bewusst global aufgestellt und verfolgen einen Best-in-Class Nachhaltigkeitsansatz. Geografisch investieren wir derzeit etwa zu 40 Prozent in Europa, zu 35 Prozent in Nordamerika und zu 25 Prozent in Asien und dem pazifischen Raum. Dafür mandatieren wir in den jeweiligen Anlageklassen spezialisierte Asset-Manager. Aus diesem Grund steht bei uns nicht die Auswahl von Branchen oder Einzeltiteln, sondern die Mandatsvergabe im Vordergrund.
Welche Markttrends beeinflussen derzeit Ihre Anlagestrategie?
Neben den für uns alle geltenden volkswirtschaftlichen Entwicklungen haben wir besonders die Wirtschafts- und Zollpolitik im Auge sowie die Zinspolitik der großen Notenbanken. Für uns ist die Frage wichtig, wo wir den größten Mehrwert in den einzelnen Anlageklassen sehen. Dabei wollen wir das Portfolio so breit aufstellen, dass es in unterschiedlichsten Marktphasen den Auftrag des KENFO erfüllen und das heißt die jährlichen Auszahlungen sicherstellen kann. Deshalb müssen wir möglichst stabil unser laufendes Ertragsziel erreichen. Gerade mit Blick auf die Laufzeit von 80 Jahren ist unsere Arbeit eine Generationenaufgabe.
Was erwarten Sie von den Anlagemärkten in den nächsten 12 Monaten?
Natürlich haben wir alle keine Glaskugel, wir gehen weiter von einem schwierigen konjunkturellen Umfeld in den nächsten zwölf Monaten aus, mit Auswirkungen auf alle Assetklassen. Dazu zählen ein zwar fallendes, aber anhaltend erhöhtes Zinsniveau sowie durch die Handelspolitik verursachte inflationäre Folgen. In Summe bleibt das Umfeld eine große Herausforderung.
Wo findet man Sie, wenn Sie nicht am Schreibtisch sitzen?
Dann bin ich in meinem Garten. Ich baue gerne Gemüse und Obst selbst an. Das ist das perfekte Umfeld für mich zum Entspannen von der teils doch hektischen Finanzwelt.
Über Verena Kempe
Verena Kempe ist Leiterin des Investment Management beim KENFO für Public und Private Markets. Ihr Fokus lag unter anderem auf dem Aufbau des Private Markets Portfolios, Teams und Prozesse. Zuvor war sie Co-Head für Private Equity bei einem führenden Beratungshaus. Die Betriebswirtin und Geographin begann ihre Karriere bei einer international tätigen Landesbank und war dort zuletzt als Director im Bereich Structured Finance/Global Energy in London tätig.

