KI revolutioniert gerade die Immobilien-wirtschaft – Interview mit Holger Weber

Interview Weber 7 2026

Interview mit Holger Weber, Vorstand, x.project AG

„KI revolutioniert gerade die Immobilienwirtschaft“

KI ist inzwischen auch in der Immobilienbranche angekommen. Wie macht sich das im Immobilienmanagement bemerkbar?
Hier muss man zwei Felder im Blick haben. Im technischen Bereich geht es um Technical Due Diligence, Monitoring und Technical Asset Management. Dort wird KI bereits sehr stark eingesetzt und ermöglicht erhebliche Effizienzgewinne und eine deutlich höhere Analysequalität. Im zweiten Feld geht es um digitale Plattformen für die Bewirtschaftung und Steuerung der einzelnen Immobilien im Portfolio. Dank KI-Einsatz sind die Nutzungsmöglichkeiten der vorhandenen Daten erheblich gestiegen. Für die Praxis heißt das, die Übersichten zu den Immobilien im gesamten Lebenszyklus sind viel schneller zu erstellen, detaillierter und genauer. KI revolutioniert deshalb gerade die Immobilienwirtschaft.

Was bedeutet der KI-Einsatz genau für die tägliche Arbeit?
Wir betrachten die KI-Verwendung natürlich aus unserer Sicht als Ingenieure und IT-Entwickler. Vorausgesetzt die Datenqualität und -dichte ist gut, dann sind wir beispielsweise in der Lage, Analyseprozesse viel schneller auf einer entsprechenden Plattform ablaufen zu lassen. Das spart Zeit und Geld. Nebenbei werden auch die Risiken gesenkt, da immer ein aktueller Überblick zu jeder einzelnen Immobilie möglich ist. Dabei kann die KI viele Auswertungen selbstständig und in Echtzeit umsetzen. Wichtig ist, auch die Qualität dieser Analysen wird immer besser.

Gilt das auch für Immobilientransaktionen? Welche Rolle spielt KI dabei?
Ja, die KI macht gerade in den TDDs rasante Fortschritte. Immobilientransaktionen werden in den kommenden Jahren so weit kommen, dass die KI große Teile der Routinearbeit übernimmt und der Mensch konzentriert sich dann auf die Begehung vor Ort und das Setzen der Parameter. Dieser Punkt ist von besonderer Bedeutung, denn Fachleute bleiben auf längere Sicht für die Qualität der Daten unverzichtbar. Ein absolutes Verlassen auf die KI wird zumindest auf absehbare Zeit noch nicht möglich sein, zumal Ingenieure alleine aufgrund der rechtlichen Vorgaben im Rahmen der Sorgfaltspflichten und der Haftungsfragen weiterhin in der Verantwortung bleiben.

Wann bekommen wir komplett automatisierte TDDs?
Ich denke, es wird noch mehrere Jahre dauern, bis vollständig KI-generierte TDDs auch versicherungs- und haftungsseitig vollständig abgesichert sind. Mit Blick auf diesen Punkt bleibt speziell die Qualität der Dokumentationen entscheidend. Qualitäts-Daten sind der Turbo für eine Beschleunigung und die Voraussetzung für Echtzeit-TDDs auf Knopfdruck.

Was kann und muss eine moderne Immobilien-Datenplattform leisten?
Eine moderne Datenplattform muss vor allem die Fäden aus den Bereichen Steuern, Recht, Technik und den kaufmännischen Feldern zusammenführen. Die Datenplattform sollte sich dabei jederzeit selbst kontrollieren, alles aktuell halten und Fehler korrigieren. Natürlich muss sie sich auch mit anderen Datenquellen quasi unterhalten können. Das heißt, die eingesetzte KI und Software müssen in der Lage sein, sich mit anderen KIs und IT-Systemen auszutauschen. Die Fähigkeit zum Export der Daten ist deshalb zentral. Ebenso zentral ist die Frage, wo die Daten liegen und wo die KI rechnet: Gerade institutionelle Investoren brauchen Datenhoheit und Verarbeitung in Europa, nachvollziehbar und regelkonform.

Welche Vorteile bietet eine moderne Plattform im kompletten Immobilienlebenszyklus?
Kurz, sie bringt spürbare Ressourcen- sowie Kosteneinsparungen. Auch hier ist das Fundament für jeden Einsatz einer digitalen Plattform die Qualität und die Dichte der Daten. Kenne ich mangels genauer Berechnungen meine tatsächliche Mietfläche nicht, dann verschenke ich als Bestandshalter Geld. Gleiches gilt für das Thema ESG. Fehlen Dokumente und ist die Datenlage damit unvollständig, dann gehe ich immer das Risiko einer nicht ESG-konformen Immobilie ein, mit allen Folgen für eine mangelnde Fungibilität bis hin zum Stranded Asset. Der eigentliche Hebel liegt darin, die Daten nicht nur für die Transaktion vorzuhalten, sondern über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie hinweg: von der Ankaufsprüfung über den Betrieb bis zum Verkauf.

Welche internationalen Märkte geben derzeit die besten digitalen Impulse?
Die Märkte und der dortige Einsatz digitaler Immobilien-Plattformen sowie der KI sind sehr unterschiedlich. In Skandinavien gibt es bereits eine recht gut ausgeprägte KI-Landschaft, auch in Österreich tut sich viel. Andere Länder wie Südeuropa hinken etwas hinterher. Bei den digitalen Plattformen für die Immobilienwirtschaft gehören die USA und China zu den Vorreitern; europäische und gerade deutsche Anbieter holen aber spürbar auf. Es ist auf jeden Fall ein Wachstumsfeld, in dem auch wir aus Deutschland heraus mitarbeiten.

Wie schalten Sie ab, wenn Sie nicht am Schreibtisch sitzen?
Ich halte mich mit Joggen fit und liebe meine morgendlichen Läufe durch die Natur. Das schafft nicht nur Luft zum Atmen, sondern auch Freiraum für Geist und Seele. Dann begeistere ich mich für meinen großen Garten und schätze gute Gespräche mit Menschen bei einem schönen Glas Wein.

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