»Private Credit: Disziplin entscheidet über Performance«

Private Credit: Disziplin entscheidet über Performance

Jetzt ist die Zeit, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Im aktuellen Marktumfeld rücken die Unterschiede zwischen Private-Credit-Managern stärker denn je in den Fokus institutioneller Investoren. Die Spreizung der Performance nimmt zu – und sie ist kein Zufall. Gute Manager zeichnen sich durch starke Sourcing-Kapazitäten, diszipliniertes Underwriting und robuste Deal-Strukturen aus. Manche Manager hingegen setzen auf schnelles Deployment und vernachlässigen dabei gegebenenfalls wichtige Risiken in ihrer Beurteilung. Dabei ist gerade in einem Umfeld „begrenzter Upside“ ein rigoroser Schutz „nach unten“ entscheidend.

Die makroökonomischen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd. Aber es gibt auch positive Impulse, denn Europa gewinnt Vertrauen und auch Investoren zurück. Hier sehen wir insbesondere im Bereich Direct Lending verstärkt Potenzial für institutionelle Anleger. Unternehmen haben in den letzten fünf Jahren eine Vielzahl von Herausforderungen gemeistert – von Pandemie über Inflation bis hin zu Lieferkettenproblemen und steigenden Zinsen. Die Qualität der Investitionsprojekte und ein aktives Portfoliomanagement bleiben jedoch entscheidend für die Performance von Private-Credit-Strategien. Gleiches gilt für eine konsequente Risikosteuerung, wobei  breit diversifizierte Portfolios sich in diesem Zeitraum besonders behaupten konnten.

Anleger sollten bei der Auswahl ihrer Fondsmanager auf nachweislich starke Origination, klare Führung in Transaktionen und disziplinierte Strukturierung der Finanzierungen achten. Große und erfahrene Anleger können im Bedarfsfall oft durch direkte Verhandlungen in kleinen, entscheidungsfähigen Gruppen aus Kreditgebern, Eigentümern und Unternehmensführung wichtige Punkte durchsetzen.

Die Fähigkeit, schnell und fundiert auf Marktveränderungen zu reagieren, ist heute ein Muss. Damit einher gehen steigende Anforderungen an Transparenz und Datenqualität. Während früher eine Antwort auf detailliertere Fragen zu Portfoliocharakteristika Tage dauern konnte, erwarten Investoren heute sofortige Informationen zu Exposure, Spreads und Kreditqualität. Die enge Zusammenarbeit mit Fondsmanagern ermöglicht es, Daten systematisch zu erfassen und zu bewerten – und diese im besten Fall durch eigene Kredit-Scores zu ergänzen.

Disziplin und Performance sind ebenfalls Kernaspekte bei den sogenannten Secondaries (Sekundärmarkttransaktionen). Was zu Beginn noch oft als „Notfallinstrument“ zur Liquiditätsbeschaffung eingesetzt wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil des Portfoliomanagements. Gerade im Bereich Private Credit eröffnen Secondaries neue Investitionschancen. Sie bieten Flexibilität in einem Umfeld, das von längeren Exit-Zeiträumen und sich wandelnden Liquiditätsanforderungen geprägt ist. Secondaries sowie die Nutzung von Continuation Vehicles, in denen ausgewählte Assets in einen Folgefonds übertragen und so die Haltedauer dieser Assets verlängert wird, ermöglichen Investoren eine gezielte Steuerung von Vintage-Risiken, eine bessere Diversifikation und den Zugang zu bereits investierten Portfolios. Für institutionelle Investoren bedeutet dies: Wer Secondaries strategisch einsetzt, kann nicht nur Risiken besser steuern, sondern auch attraktive Renditepotenziale erschließen.

Private Credit bleibt ein attraktives Segment für institutionelle Investoren – vorausgesetzt, die Manager verfügen über die nötige Disziplin, Erfahrung und Struktur, denn aktives Risikomanagement ist der Schlüssel zu nachhaltiger Performance.

 

Marc Smid, Senior Portfolio Manager Private Debt, Allianz Global Investors

Heiko Teßendorf, Head of Business Development Corporates & Family Offices, Allianz Global Investors